Radiocäsiumbelastung von Schwarzwild im Landkreis Augsburg – 30 Jahre nach Tschernobyl

Das verheerende Reaktorunglück in Tschernobyl hatte in den letzten Jahrzehnten auch erhebliche Konsequenzen für die Jagd im Bereich der Nordalpen, da z.B. Schwarzwild das radioaktive Cs137 durch seine Wühlaktivität im Oberboden vermehrt aufnahm und in Folge im Körper ansammelte. Konsequenterweise wird bis heute Schwarzwild aus den betroffenen Regionen hinsichtlich der radioaktiven Belastung untersucht, bevor das Wildbret in Verkehr gebracht werden kann. Nachdem Cs137 eine Halbwertszeit von ca. 30 Jahren hat, sollte man eigentlich davon ausgehen können, dass sich die radioaktive Belastung mittlerweile deutlich verringert hat. Jörg Richter ging dieser Annahme nach untersuchte akribisch die Befunde der Schwarzwildkontrollen. Dabei stellte er interessante Einflüsse der Baummast fest, z.B. war die radioaktive Belastung in Fehlmastjahren besonders hoch, was damit zusammenhängt, dass das Schwarzwild in diesen Jahren vermehrt radioaktiv belastete Bodenorganismen konsumiert. Zudem gab es abhängig von alternativen Nahrungsquellen auch saisonale Veränderungen der radioaktiven Belastung, die sich bis in das Folgejahr im Wildbret nachweisen ließen. Darauf aufbauend bietet Jörg Richter jagdpraktische Empfehlungen zur Vermeidung der Gewinnung von radioaktiv belastetem Wildbret. Die vollständige Abschlussarbeit finden Sie unter www.jagdwirt.at/abschlussarbeiten.

Dipl.-Ing. Jörg Richter MBA hat den Universitätslehrgang mit Auszeichnung bestanden. Darüber hinaus ist er Jahrgangsbester 2018! Wie kommt ein deutscher Jäger dazu, den Universitätslehrgang an der Uni Wien zu besuchen? Jörg Richter nennt vor allem den Silbernen Bruch als entscheidende Triebfeder: hier lernte er so viele verschiedene Experten der Jagd kennen und schätzen. Selbst verdiente er seine jagdlichen Sporen in einem reinen Rehwildrevier der Familie in Oberschwaben, wissend dass das Spektrum der Jagd noch so viele weitere interessante Facetten bereithält.

Nachdem der Lehrgang in Deutschland nicht angeboten wird, entschied er sich im Dezember 2015 sich an der Universität für Bodenkultur in Wien am Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft zu bewerben. Da nur 20 Teilnehmer pro Lehrgang zugelassen werden, musste eine erfolgreiche Aufnahmeprüfung absolviert werden. Jörg Richters Motivation und der Leitfaden des Lehrgangs liefen kongruent ab:

  • Alle jagdlichen Wildarten der mitteleuropäischen Heimat in ihren angestammten Lebensräumen mit Experten vor Ort kennenlernen.
  • Alle möglichen (außerjagdlichen) Schnittstellen sollten dabei ebenfalls beleuchtet werden.

Als Zugangsvoraussetzungen nannte Jörg Richter einen gültigen Jagdschein und eine FH Zulassung. 10 Lehreinheiten standen von März 2016 bis November 2017 auf dem Programm. Alle Inhalte der jeweils von Donnerstag (18 Uhr) bis Sonntag (18 Uhr) dauernden Programmpunkte einzeln aufzuführen würde den Rahmen dieser Würdigung sprengen, die ausgewählten Destinationen erstreckten sich auf ganz Österreich und reichten von Salzburg über Vorarlberg, Kärnten bis nach Niederösterreich und die Steiermark. Mit einem Abstecher in den Nationalpark Neusiedlersee betraten die angehenden Jagdwirte sogar ungarischen Boden.

Neben der reinen Jagdpraxis, -hier ist das Grundwort Praxis wirklich angebracht – lernten die Teilnehmer auch wissenschaftliches Arbeiten, Literaturrecherche und die Analyse und Präsentation wissenschaftlicher Arbeiten. Besonders beeindruckend empfand Jörg den eigentlich unscheinbaren Ausbildungspunkt Umgang mit Medien. Ein ehemaliger Radioreporter und heute vor allem für Politiker tätiger selbständiger Medienberater hatte ein 20 minütiges Interview mit einem Kursteilnehmer aufgenommen. Dieser hatte nach bestem Wissen und Gewissen auf Fragen der Jagd geantwortet. Durch die Verwendung des journalistischen Werkzeugs „Geschnittenes Interview“ konnten die gemachten Aussagen des Interviewteilnehmers ins Gegenteil verkehrt werden. Dies lösten bei allen Lehrgangsteilnehmern ungläubiges Staunen und Betroffenheit aus. Fazit dieser beeindruckenden Lerneinheit: Ziel eines Befragten sollte es sein, drei Botschaften zu verkünden, egal was gefragt wird.

Dr. Robert Thallers Festrede als Jahrgangssprecher beinhaltete auch die Maxime der neuen Jagdwirte: „ Wir verstehen unseren Auftrag, das Erlernte selber anzuwenden und auch unter die Leute zu bringen! Das ist es, was wir den Jagdkameraden sagen müssen: Unser Weidwerk wird keinen Bestand haben ohne Nachhaltigkeit, ohne Akzeptanz in der Gesellschaft.“

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