Auf Safari: Fährten in eine versunkene Welt

Rolf D. Baldus, Werner Schmitz (Hsg):

Kosmos – Verlag Stuttgart, 352 Seiten, gebunden, 35 Euro

Auf dem Umschlag posiert ein Jäger, der «would walk a mile for a Camel». Ein toller Bursche, filmreif, mit breitkrempigem Westernhut, scharfem Blick, offenem Hemd, Brusthaar, Büchse über den Knien. Ja doch, eine Safari in Afrika ist auch heute noch der Lebenstraum vieler Jägerinnen und Jäger. Diese Reisen sind allerdings nicht mehr mehrwöchige Expeditionen quer durch den Busch, wie sie im soeben erschienenen Sammelband «Auf Safari» vorgestellt werden. Es sind Geschichten von legendären Jägern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz und, spannend, von zwei Jägerinnen, Margarete Trappe und Vivienne von Wattenwyl, auf dem «schwarzen Kontinent, der Wiege der Menschheit, dem verlorenen Paradies.»

Die beiden Herausgeber, Rolf D. Baldus und Werner Schmitz, sind selber leidenschaftliche Jäger, was sie überhaupt nicht verhehlen. 203 Kurzbiografien enthält ihr Sammelband, 30 davon sind ausführliche Porträts. Nur eine Fussnote bleibt ein mysteriöser Schweizer, der Ingenieur Stiegler, der anfangs des letzten Jahrhunderts in Tansania nicht auf Safari war, sondern auf einer Dienstreise. Man weiss über ihn offenbar wirklich nur, dass nach ihm  Stieglers Gorge in Tansania benannt ist, wo er eine Brücke über den Rufij-River bauen sollte. 1907 wurde er jedoch von einem von ihm am Feierabend angeschossenen Elefanten getötet.

Wussten Sie, dass der Thüringer Alfred Brehm (1829-1884) nicht nur der Autor des  zehnbändigen «Brehms Illustriertem Thierleben» war und der Hamburger Zoodirektor und Gründer des Berliner Aquariums, sondern auch ein begeisterter Jäger? «Schuld» daran trug sein Vater, ein «Vogelpastor», der sich nicht nur um seine Gemeinde kümmerte, sondern auch um seine ornithologische Sammlung. Lieber wäre ihm gewesen, der Sohn hätte sein Architekturstudium abgeschlossen, aber der wurde lieber der Jägermeister des Barons Johann Wilhelm von Müller auf einer Forschungsreise in den Sudan … Erzählt wird auch von  Abenteurern, die «Whisky soffen, Häuptlingstöchter schwängerten und ihren exzentrischen Lebensstil mit Elfenbein finanzierten». Wilde Typen gebe es heute wohl nicht mehr, wird versichert – sie bevölkern aber die Weltliteratur. Das spannende, unterhaltsame Safari-Buch spiegelt eine Jagdwelt, die es so nicht mehr gibt. Leider? Zum Glück? Nachdenken ist erlaubt.

 

Text: Esther Scheidegger (aus JAGD&NATUR Januar 2015)

 

 

 

 

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