Torben Halbe

Das wahre Leben der Bäume

Ein Buch gegen eingebildeten Umweltschutz

Woll Verlag Hermann-J. Hoffe, Schmallenberg 2017,

176 Seiten, mit 29 Fotografien,

€ 19,90

Seit vielen Wochen hält sich Peter Wohllebens Buch „Das geheime Leben der Bäume in den Bestseller-Listen. Das eigentlich Verblüffende daran ist für mich als Biologe, dass dieses esoterische Geschwurbel unter den Sachbüchern gelistet wird. T. HALBE, einen jungen Biologen, hat dies so sehr gereizt, dass er ein wissenschaftlich belastbares, aber verständlich geschriebenes und darüber hinaus vergnügt zu lesendes Buch verfasst hat.

Das Buch „Das wahre Leben der Bäume – Ein Buch gegen eingebildeten Umweltschutz“ ist in zwei Teile, dazu Einleitung und Schlusswort, gegliedert. In der Einleitung weist der Autor darauf hin, dass er helfen möchte, „zu einem Umweltverständnis zu kommen, das komplexe Zusammenhänge und Dynamiken, also die tatsächliche Natur, berücksichtigt“. Er will einerseits Wohllebens pseudo­wissenschaftliche Ausführungen widerlegen und andererseits seine wissensbasierte persönliche Sicht auf die Umwelt darlegen. Dabei verlangt er vom Leser, dass er sich mit kritischem Geist mit der Komplexität des Gegenstandes und der Vielfalt der Perspektiven auseinander setzen solle.

Im ersten Teil des Buches setzt sich T. Halbe mit P. Wohllebens „problematischem Hang zur Vermenschlichung von Bäumen“ auseinander. So schildert Halbe auf Seite 26 ff. ausführlich, wie unser Gehör funktioniert. Wer diese Schilderung liest, erkennt sofort, dass Wohlleben sich wohl kaum mit der neurologischen Komplexität des Hörens befasst hat, als er Bäumen aufgrund einer Studie an Getreide (!) die Fähigkeit zum Hören angedichtet hat.

  • Wohlleben schreibt auf Seite 78, dass man die Unterscheidung zwischen Tieren und Pflanzen aufgeben solle, da sie „willkürlich gewählt“ und an der „Art der Nahrungsbeschaffung aufgehängt“ sei. Darüber kann T. Halbe „als Biologe nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen“ und ich kann ihm nur beipflichten. Er schreibt zu Recht, dass der Biologe bemüht sei, sich ein umfassendes Bild von Lebewesen zu machen. Als Biologe weiß man, dass alles miteinander in Verbindung steht. Halbe schildert in knapper aber hinreichend detaillierter Weise, die Komplexität von Organismen in Ökosystemen, die Evolution der Gene, deren Steuerung der Proteinsynthese bis hin zum Aufbau und Funktion von Organen. Jeder neue Input von außerhalb setzt neue Signalketten in Gang, deren Echo sich wieder durch alle Ebenen zieht (Seite 84). Solch komplizierte Gedankengänge sind Wohllebens Sache nicht und die seiner begeisterten Leser wohl auch nicht. Die Unterschiede zwischen Tieren und Pflanzen sind weitaus größer als Wohlleben uns glauben machen will. Halbe schildert dies sehr schön auf Seite 85 ff. seines Buches.

Im zweiten Teil „Von Wald und Weltklima“ setzt sich Halbe mit Wohllebens Behauptungen „Bäume lagern ständig CO2 ein“ und „Der Großteil des eingelagerten Kohlendioxids verbleibt dauerhaft im Ökosystem“ sowie „Als Kohlenstoffsenken sind Urwälder bewirtschafteten Wäldern überlegen“ auseinander. Halbe stellt klar, dass Bäume „etwa die Hälfte der hergestellten Glucose zur Deckung ihres Energiebedarfs verwenden“. Überschüssige Glucose wird in Form von Stärke gespeichert und bei Bedarf wieder verstoffwechselt. Dabei wird CO2 abgegeben. Diesen Vorgang nennt man Respiration. Dies ist immer dann der Fall, wenn keine Photosynthese möglich ist, bei Trockenheit, im Winter oder nachts. Insgesamt setzen Bäume etwa die Hälfte des aufgenommenen Kohlenstoffs durch Zellatmung in Form CO2 wieder frei. Weiterer Kohlenstoff wird in Form von CO2 wieder freigesetzt, wenn Pflanzen sterben oder Material verlieren (herbstlicher Laubfall) und durch Destruenten (Pilze, Bakterien, verschiedene Insekten, u.a.m.) zersetzt werden, und bleibt nicht, wie Wohlleben behauptet, „dauerhaft im Ökosystem“.

Auch die Behauptung, dass Urwälder mehr CO2 binden könnten als bewirtschaftete Wälder, widerlegt Halbe schlüssig in wenigen Sätzen und stützt dies auch auf Fakten. Urwälder befinden sich in einem dynamischen Gleichgewicht. Die Hälfte des aufgenommenen Kohlenstoffs wird ohnehin, wie oben gezeigt, durch Atmung wieder ausgeschieden. Der Rest bleibt in Biomasse gebunden, die zersetzt und dem Kreislauf wieder zugeführt wird. Nur Wälder, deren Bäume noch in die Höhe wachsen, bilden Kohlenstoffsenken.

Im Schlusswort fasst Halbe nochmals zusammen, dass Bäume „sehr komplexe und fremdartige Wesen“ sind, die dem Menschen vielfachen Nutzen für den Klimaschutz und als nachwachsende Ressource  bringen. Er wendet sich gegen die vereinfachende Sichtweise der „eingebildeten Umweltschützer“, denen es weniger auf objektive Information und wissensbasierte Entscheidungen ankommt als vielmehr auf „erhobene Zeigefinger, auf Zentralisierung und Gesetze, … auf Manipulation und Fehlinformation“. Er plädiert dafür, Bäume aus ihrem eigenen Wesen verstehen zu lernen und nicht „aus Analogien zu unserem Wesen“.

Das Buch von Torben Halbe kann jedem Interessierten zur Lektüre empfohlen werden. Die notwendigen naturwissenschaftlichen Hintergrundinformationen sind verständlich geschildert. Trotz aller Nüchternheit bei der wissenschaftlichen Betrachtung wird der Stoff lebendig erzählt – bei wissenschaftlichen Büchern keine Selbstverständlichkeit!

OB Harald Kilias

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