Robert Ruark

„Der Junge und der Jäger“

Kosmos-Verlag, Stuttgart 2012, 301 Seiten, € 24.99

Robert Ruark (1915 – 1965) war ein erfolgreicher US-Reporter, Journalist, Schriftsteller und Jäger. Seine Bücher „Die schwarze Haut“ und „Uhuru“ waren Weltbestseller. Vor 50 Jahren habe ich sie auch mit Begeisterung gelesen. Seine Romane sind heute fast vergessen und wurden nicht mehr verlegt. Aber ein Buch hat die Zeiten überlebt und wurde die ganze Zeit in den USA immer wieder neu gedruckt „The Old Man and the boy“. Dieses Buch liegt jetzt in deutscher Sprache unter dem Titel „Der Junge und der Jäger“ vor.

Robert Ruark beschreibt in diesem Buch seine Anfänge als Jäger. Er wird von seinem Großvater als 10jähriger Junge langsam in die Jagd und Fischerei eingeführt und lernt dabei Anstand, Disziplin, Höflichkeit, Rücksichtnahme und den vorsichtigen Umgang mit der Natur und den Waffen, also für das Leben.

Ort des Geschehens ist eine Kleinstadt an der Küste von North Carolina, wo er mit dem „Alten“ in ländlicher Umgebung auf Wachteln, Tauben, Enten, Eichhörnchen und Hirsche jagt, Blaufische und Barsche fängt, Krebse und Muscheln sucht. Sein „Alter“ hämmert ihm den Grundsatz ein, dass nur getötet werden darf, was auch gegessen wird. So liest man erstaunt, wie er 10, 20 Eichhörnchen schießt, abbalgt, zerwirkt und dann werden sie von seiner oder einer anderen Familie gegessen.

Die Beschreibung der Familienessen lässt einem das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Er lernt am praktischen Beispiel Hundeerziehung oder Bootsbau, immer ist ihm sein „Alter“ ein strenger aber verständnisvoller Lehrmeister.

Schön zu lesen wie er schreibt, dass die Jagd auf seinen ersten Fasanenhahn mehr Freude bereitet hat und besser in seiner Erinnerung verankert ist, als sein erster Kaffernbüffel.

Seine Sprache ist kraftvoll, deutlich, humorvoll, manchmal mit schwarzem Humor, und erinnert an Hemingway.

Auch wenn es schon 70 – 80 Jahre zurückliegt, gibt das Buch doch einen Einblick in die Art des Jagens auf „normales“ Wild in den ländlichen Gegenden der USA. Es gibt sehr wenige Jagdbücher von US-Autoren in deutscher Sprache, daher ist dieses Buch eine gute Bereicherung.

Ich habe das Buch mit großer Freude und Spannung gelesen. es versetzt einen in eine andere Welt, wo Jungens mit 10, 12, 14 Jahren schon jagen und schießen durften und dabei zu anständigen Männern erzogen wurden. Ein Traumland, weit weg von unserer geregelten, bürokratisierten, auch von den Jägern selbst eingeengten Jagd, wo schon der Besitz einer KK-Büchse mehr Papierkram und Sicherheitsaufwand erfordert, als das Gewehr wert ist und Jäger generell unter Verdacht stehen.

So ist es eben, man kann wohl bei uns nichts mehr daran ändern, außer mit diesem Buch in ein Traumland entschwinden und mit dem „Boy“ jagen gehen.

Jürgen Rosemund

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