Jagen – Töten aus vernünftigem Grund ?

10 Regeln für die Begründung der Jagd

Zusammenfassung aus den Tagen des Gesprächs vom 20./21. März 2015 in Friedrichshafen.

Viele Lebensbereiche werden mit extremistischen Meinungen und Aktivitäten konfrontiert. Internet und neue Medien erleichtern deren Verbreitung. Die freiheitliche Jagd, welche das Töten von Tieren einschliesst, ist eine besonders geeignete Zielscheibe. Sie steht unter wachsendem Druck jagdfeindlich eingestellter, gut organisierter Minderheiten. Jagdgegner stammen aus dem Umfeld des extremen Natur- und Tierschutzes, sowie aus dem Kreis von Tierrechtlern, Vegetariern und Veganern.

Eingängigen Slogans und emotionalisierenden Bildern stehen die komplexen Wechselwirkungen von Jagd und Ökologie gegenüber. Wir müssen versuchen, die Grundanliegen der Jagd einfach zu formulieren. Und ganz wichtig: Nur eine «klar legitimierte und tierschutzkonforme Ausübung der Jagd» hat eine Chance, mehrheitsfähig zu bleiben!

Unser Orden ist faktisch eine jagdliche Natur-, Landschafts- und Tierschutzor­ganisation! Das Gelöbnis verpflichtet zu einem „Waidwerk edelster Prägung, das mit seinem ehrwürdigem Brauchtum eine besonders eindringliche Form des Dienens an Wald, Wild und Flur“ ist. Der Silberne Bruch ist ein ideales Gefäss, um durch vorbildliche Jagd und sorgfältige Aufklärung dem Extremismus den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Das Schwierigste dabei ist zu erklären, warum die Jagdausübung auch Freude bereitet. Denn wer die Jagd nie erlebt hat, neigt dazu, sie auf das Töten von Tieren zu reduzieren. Das Bemühen, Jagdpassion und Erlebnis in der Natur als Ganzes zu vermitteln, wird oft als Ablenkung vom Tötungsakt missverstanden. Der Jäger muss zum Fakt der Tötung stehen und diese ehrlich und gut begründen.

«Jagen – Töten aus vernünftigem Grund?»

Ohne die Erhaltung einer selbstreproduzierenden Wildpopulation, ohne die Wahrung der Biodiversität und ohne die Nutzung des hochwertigen Wildbrets und dessen Nebenprodukte sind wir unglaubwürdig, unser Weidwerken glaubhaft zu begründen.

Wir wollen unsere Sicht in einer Broschüre einer breiten Jägerschaft zugänglich machen. Als Extrakt daraus versuchen wir möglichst einfache Verhaltensregeln aufzustellen. Alle Jagenden sollen mit Passion eine sachlich legitimierte und tierschutzkonforme Jagd ausüben. Gleichzeitig vermitteln wir den Sinn des „Waidwerks edelster Prägung“ als Dienst an  Natur, Landschaft und Tier – aber auch als Beitrag zur Erhaltung der Jagd!

Wir gewinnen ein hochwertiges Nahrungsmittel

Wir versorgen die Bevölkerung mit Wildbret, dem natürlichsten, gesundesten und ressourcenschonendsten Fleisch überhaupt!

Wir erfüllen einen gesellschaftlichen und gesetzlichen Auftrag

Wir erfüllen den Auftrag der Gesellschaft und die uns übertragenen Aufgaben und Funktionen im Dienste der Allgemeinheit. Wir sind Fürsprecher allen Lebens (Pflege der Lebensräume, Artenschutz, Verblendung von Strassen bei Wildwechseln, Unterstützung von Wiederansiedlungen): Wild ist unser öffentliches Gut, also sorgen wir für die Tiere!

Wir verhindern Tierleid durch Erlösen und Bergen zahlreicher Strassenopfer unter den Wildtieren, die ohne uns qualvoll verendeten.

Wir sind keine „Schädlingsbekämpfer“ im Auftrag von Forst- und Landwirtschaft, aber wir arbeiten als dritte Kraft zusammen mit Forst- und Landwirtschaft. Wir tragen dazu bei, dass der Wildbestand eine standorttypische Waldentwicklung erlaubt, und dass der Landwirtschaft keine unzumutbaren Schäden entstehen.

Wir sind verlässlich und loyal

Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass wir die Jagd konsequent im Rahmen der rechtlichen Vorgaben ausüben. Kavaliersdelikte gibt es nicht! Wir achten strikt auch Vorschriften, die uns nicht sachgerecht erscheinen. Wir schaffen keine „Faits accomplis“. Wo nötig erstreben wir Änderungen auf demokratisch politischem Weg. Wir ermahnen andere, dasselbe zu tun, und grenzen Uneinsichtige im ureigenen Interesse von der Jagd aus.

Wir sind Natur-, Tier- und Landschaftsschützer

Wir lassen andere am Jagdgeschehen teilhaben. Wir negieren die Tötung von Tieren nicht, zeigen aber, dass der Tod des Wildes nicht Ziel ist, sondern unvermeidliche Folge der nachhaltigen Bewirtschaftung des Wildbestandes.

Wir arbeiten nicht nur zusammen mit ihnen: Wir sind per se Natur- und Tierschützer! Wir haben unentbehrliche Kenntnisse und stellen sie Behörden und Wissenschaft zur Verfügung. Wir vertreten die Interessen an der Erhaltung von Natur und Landschaft und arbeiten zusammen mit anderen Natur- und Tierschutzorganisationen als Mitglieder und in deren Organen.

Wir dienen der Gesundheit, materiellen Werten und der Biodiversität

Wir helfen, Beeinträchtigung von Gesundheit, Gebäuden und Fahrzeugen zu reduzieren, indem wir urbane Steinmarder- und Fuchsüberpopulationen durch Aufklärung, Beratung und Reduktion zu verhüten suchen.

Wir kontrollieren im Interesse der Biodiversität, soweit irgend sinnvoll und möglich, die Populationen gebietsfremder Tiere (Neozoen) und reduzieren bei Aussetzungsprojekten allfällige Prädatoren.

Wir vermeiden problematische Jagdmethoden

Wir sind kritisch gegenüber Jagdmethoden, die vermeidbare Schäden an der Umwelt und Tierleid verursachen.

Die Fallenjagd (vor allem Fuchs und Steinmarder) verursacht grossen Stress für das Wild. Sie soll nur ausnahmsweise im urbanen Raum eingesetzt werden.

Baujagd ist nicht vereinbar mit unseren eigenen Tierschutzvorstellungen. Sie ist nicht mehr zeitgemäss und wird abgelehnt.

Wir verzichten auf Vollmantelgeschosse und Bleimunition, da heute gute Alternativen zur Verfügung stehen.

Wir sind hochqualifizierte Spezialisten

Wir sind keine Amateure. Jagen darf nur, wer eine intensive Ausbildung durchlaufen und eine strenge Prüfung  bestanden hat. Nur spezifisch geübte Schützen gehen auf die Jagd.

Wir freuen uns am Erlebnis in der freien Natur!

Wir sind weiterhin uneingeschränkt stolz auf unser Tun, unsere Passion, unsere Freude am Waidwerk: Wir geniessen die freiheitliche Jagd und sind stolz auf die mannigfaltigen positiven Wirkung auf Natur und Gesellschaft!

Wir teilen unsere Freude!

Wir verstecken uns nicht. Wir freuen uns, Nichtjagenden auf Revierumgängen, Ansitz- und wo angemessen auch auf Treibjagden unsere Arbeit zu Gunsten der Allgemeinheit zu vermitteln.

Wir üben uns in Geduld, wenn wir angegriffen werden

Auf emotionale Anwürfe antworten wir im Bewusstsein auf unseren Wissensvorsprung mit Sachlichkeit und Fakten. Viel Aggression basiert auf Unwissen, dem wir mit Aufklärung begegnen können. Soll unser Anliegen beim Zielpublikum ankommen, muss unsere Begeisterung zwar spürbar sein, aber wir erklären sachlich, ohne Kränkung des Gegenübers.

Dieser Entwurf der Regeln ist nicht in Stein gemeisselt und auch die „definitive“ Version wird altern. Doch unser Bekenntnis zum „Weidwerk edelster Prägung, das mit seinem ehrwürdigen Brauchtum eine besonders eindringliche Form des Dienens an Wald, Wild und Flur ist“ bleibt hoch aktuell und für jede Generation von Ordensbrüdern eine Herausforderung!

Johannes Jenny