Dezember 2015

Jagen – Töten aus vernünftigem Grund?

Medien aller Art – Zeitungen, Fernsehen, Internet-Blogs etc. beantworten die Frage überwiegend recht eindeutig: Es gibt keinen vernünftigen Grund auf die armen Tierlein zu schießen! Die Natur kann sich schließlich selbst regulieren und überhaupt sind Jäger ja nur mordlüsterne Psycho’s. Das prägt natürlich die öffentliche Meinung, vor allem in der städtischen  Bevölkerung.

Obwohl die Jägerschaft in solchen Meldungen als recht aggressiv und überheblich dargestellt wird, fallen ihre Antworten bei Interviews oder Konfrontationen mit emotional „geladenen“ Jagdgegnern oft auffallend defensiv und duckmäuserisch aus. Bestenfalls versuchen sie mit rationalen Begründungen zu kontern. Und damit sind sie auch schon auf der Verliererstraße: Es macht sie zur fetten Beute der Fundis unter den Tier- und Naturschützern und heute auch der Tierrechtler (Veganer), die mit ihren Feldzügen gegen die Jagd erhebliche Spendengelder aus der Bevölkerung einheimsen.

Ein Jagdorden, der „Silberne Bruch“ (in D, Ch, A, F und FL tätig) hat sich mit der Fragestellung und mit dem Problem der jagdfeindlich beeinflussten Öffentlichkeit beschäftigt, und zwar auch ziemlich selbstkritisch. Dieser Orden versteht sich selbst als ein Bund „zum Schutz von Wald, Wild und Flur sowie zur Förderung von weidgerechtem Jagen“ und er besteht nicht nur aus handverlesenen Jägern, sondern es finden sich auch Natur- und Tierschützer sowie Biologen und Ökologen in seinen Reihen. Aus dieser internen Diskussion wurde nun eine Broschüre mit Empfehlungen entwickelt, die der Jägerschaft, den Jagdfunktionären, den Medien und den befassten Politikern zur Verfügung gestellt wird. Der Verfasser ist der Schweizer Biologe Dr. Johannes Jenny aus Baden (CH).

Kurz zusammengefasst hier die Kernaussagen zu den Begründungen für die Jagd (und ja, auch für das Töten) und die  Empfehlungen für eine – der heutigen Zeit angepassten – Jagd:

Wir gewinnen ein hochwertiges  Nahrungsmittel

Der Jäger versorgt die Bevölkerung mit dem natürlichsten und ressourcenscho- nendsten Fleisch überhaupt. Es enthält wenig Kalorien, keine Antibiotika oder sonstige Medikation, dafür aber wichtige B-Vitamine und Spurenelemente wie Zink, Eisen und Selen.

Nur Wildbret von gesunden, in der freien Natur aufgewachsenen Tieren kommt in den Verkehr und nur nach einer ein- gehenden Überprüfung durch „kundige Personen“ oder Veterinäre. Wildfleisch ist zweifellos das „biologischste“ Fleisch; und das schmeckt man auch!

Wir freuen uns am Erlebnis in der freien Natur

Die Jagd ist für uns nicht einfach eine Form der Freizeitgestaltung oder Sport, sondern wir leben mit der Natur im ganzen Jahresverlauf. Wir wollen das Werden und Vergehen in der Natur selbst erleben und nicht nur aus Fernsehdoku- mentationen serviert bekommen. Das ist unsere Passion und unsere Freude. Wir sind nicht die mordlustigen Schießer, sondern wir sind stolz auf unseren Dienst an der Natur und Gesellschaft.

Wir teilen unsere Freude

Gerne und oft teilen wir unsere Freude mit den Kindern unserer Gemeinden, die wir zu uns einladen oder mit Freunden, Bekannten und allen Interessierten. Wir laden Sie zu einem Reviergang ein und sie werden staunen, wie vielfältig unsere Arbeit ist – keineswegs nur beschränkt auf die Tötung von Tieren – und wie umfangreich das Wissen der Jäger über die Zusammenhänge in der Natur ist.

Wir üben Geduld, wenn wir angegriffen werden

Manche unserer Gegner in der Gesellschaft und in den Medien lassen sich aus Unwissen über die Wirklichkeit zu üblen Beschimpfungen oder gar zu gesetzwidrigen Handlungen hinreißen. Der Jäger hat einen Wissensvorsprung und kann solcher Aggression mit Sachlichkeit und ohne Kränkung des Gegenübers begegnen.

Wir erfüllen einen gesellschaftlichen und gesetzlichen Auftrag

Unser Auftrag ist es, im Verband mit Forst und Landeskultur (Landwirtschaft) den Lebensraum für alle Geschöpfe (Fauna und Flora) lebenswert zu machen und zu erhalten. Die  Aufgaben  sind  äußerst vielfältig:

Für einen „artenreichen und gesunden Wildbestand zu sorgen“ (Zitat aus  den  Jagdgesetzen).  Dazu zählen z.B. auch Wiederansiedlungen bereits ausgestorbener Tierarten.

Den Wildbestand so anzupassen, dass gesunde Wälder wachsen können. Denken Sie dabei auch an Schutz- und Bannwälder für die Siedlungen.

Und auch so, dass unzumutbare Schäden in der Landwirtschaft vermieden werden.

Der Jäger hat auch die Aufgabe, die Ausbreitung gefährlicher Seuchen der Wildtiere zu verhindern. (Schweinepest, Maul- und Klauenseuche).

Er muss auch kranke und die durch den Straßenverkehr verletzten Tiere von ihrem Leid erlösen, suchen, bergen und versorgen. Das ist harte und unschöne Arbeit zu jeder Tages und Nachtzeit.

Vor der Ernte versucht er, Rehkitze, Junghasen und die Gelege von Bodenbrütern vor den Messern der Kreiselmäher zu retten.

Es ist eine Tatsache, dass selbst Naturschutzgebiete und sog. „jagdfreie“ Zonen nicht ohne Jagd auskommen, weil Überpopulationen das Gleichge- wicht empfindlich stören kann. In solchen Zonen wird dann eine Art von „Schädlingsbekämpfern“ angestellt, die aus Steuergeldern bezahlt werden, wohingegen der „normale“ Jäger den gleichen Zweck erfüllt, aber eben unter jagdethischen Gesichtspunkten und er zahlt auch noch dafür.

Eine weitere Aufgabe ist die Schaffung und Verbesserung von Biotopen für die verschiedenen Wildtiere. So werden z.B., unter großem Einsatz, Hecken zwischen Feldern und Wiesen gesetzt als Rückzugsmöglichkeit für das Niederwild oder Wildäcker an den Rändern und Böschungen von Forststraßen und Wegen, damit Reh, Hase und Hirsch Nahrung finden und dafür weniger die Nachzucht von Bäumen verbeißen.

Der Jäger kontrolliert das  Raubwild; d.h. wenn es z.B. zu viele  Füchse und Marder gibt, dann muss er den Bestand soweit reduzieren, sodass das Niederwild (Hase, Fasan, Rebhuhn u.A.) überhaupt ihre Jungen aufziehen können. Das dient aber auch dem Schutz vor gefährlichen Krankheiten, wie dem Fuchsbandwurm etc.

Wir sind loyal

Im Gegensatz zu vielen anderen Freizeitaktivitäten spielt sich die Jagd keineswegs im gesetzesfreien Raum ab. Kenntnis und Beachtung sehr vieler Gesetze und Vorschriften sind für den Jäger Verpflichtung. Die Landesjagdgesetze, Forstgesetz, Tierschutzgesetz, Waffengesetz, ABGB, Strafgesetzbuch, Naturschutzgesetz sind einige davon und darüber hinaus auch die (ungeschriebene, aber überlieferte) Weidgerechtigkeit, die die Ethik der Jagd beschreibt. Fragen Sie sich doch einmal, in welchem Lebensbereich sonst ethisches Handeln, auch per Gesetz, gefordert wird? Verstößt der Jäger gegen solche Gesetze, so drohen ihm oft empfindliche Strafen, verhängt durch (jagd-)interne Disziplinarkommis- sionen, Zivil- und Strafgerichte (Entzug der Jagdkarte, Geldbussen, bis hin zu Haft). Ordentliche Jäger sind diesen Gesetzen und der Gesellschaft gegenüber loyal und sie grenzen solche, die sich nicht daran halten, aus und ächten sie  im ureigenen Interesse.

Wir sind Natur-, Tier- und Landschaftsschützer

Die Jäger haben unentbehrliche Kenntnisse und stellen sie der Wissenschaft zur Verfügung. Fast alle Daten der Wildbiologie entstammen den Beobachtungen der Jäger. Ohne diese Daten kann keine ökologisch sinnvolle Jagdplanung

zur Erhaltung von Natur und Landschaft erstellt werden. Daher arbeiten wir auch mit Natur- und Tierschutzorganisationen zusammen. Wir pflegen, wie die Forstwirtschaft und viele Landwirte, ein ganzheitliches, vernetztes Denken. Jä- ger sprechen und handeln gemeinsam mit Behörden, Förstern, Landwirten, Ornithologen, Biologen, Ökologen, Tierschützern, Politikern und auch mit ihren Gegnern (wenn die es zulassen). Gemeinsam entscheiden diese über Jagd- zeiten, Abschusspläne, Entschädigungen für Wildschäden (die übrigens die Jäger zahlen!), Pachtgelder, Artenschutzprojekte u.s.w. Übrigens sind es häufig auch die Jäger, die die Jungbäume auf eigene Kosten und mit eigener Arbeit vor Wild- verbiss schützen.

Wir kontrollieren auch im Dienste der Biodiversität

D.h. wir kontrollieren in Zusammenarbeit mit anderen der o.g. Organisationen, soweit es sinnvoll und möglich ist, die Population gebietsfremder Tierarten, wie z.B. Waschbären oder den amerikanischen Mink, der übrigens aus einem falsch verstandenen Tierschutzgedanken aus einer Zuchtfarm freigesetzt wurde. Wir vermeiden problematische Jagdmethoden und wir sind kritisch gegenüber Jagdmethoden, die vermeidbare Schäden an der Umwelt und Tierleid verur- sachen können. Wir verzichten auch zunehmend auf die Verwendung von Bleimunition – soweit und sobald von der Industrie brauchbare – im Sinne des Tierschutzes – Typen angeboten werden.

Wir sind hoch qualifizierte Spezialisten

Jäger sind keine Amateure. Sie müssen eine intensive Ausbildung durchlaufen und werden in den vielen Sachgebieten einer strengen Prüfung unterzogen. Sie müssen in der Lage sein, Tiere individuell zu erkennen und zu beurteilen, rasche Entscheidungen zu treffen und dann auch punktgenau zu treffen, damit das Tier nicht leiden muss. Viele Jäger nehmen an Weiterbildungen teil, die von den Jagdverbänden angeboten werden, z. B. über Wildkrankheiten, neue Gesetzgebung etc. Auch verpflichtende Übungsschießen  gehören  Ingo Neumayer, Silberner Bruch

Ingo Neumayer, Silberner Bruch

 

 

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