Mike Mitten

Passions of a Solo Bowhunter
Verlag Herd Bull Productions, Beach Park, Illinois, USA 2009
333 Seiten, viele Farbbilder, US-$ 37.95
In englischer ‚Sprache
Verkauf: www.brothersofthebow.com

 Es ist seltsam, aber nach meiner Kenntnis gibt es seit Theodor Roosevelt’s Büchern, die vor knapp hundert Jahres ins Deutsche übersetzt wurden, kein Buch eines US-Jägers in deutscher Sprache. Lässt man Alaska aussen vor, gibt es auch nur wenige deutsche Jäger, die von der Jagd in den USA berichten. Dabei hat das Land von den Sümpfen Floridas bis zu den Bergen der Rocky Mountains, von den Wüsten Arizonas, New Mexikos bis zu den Seen und Wäldern des Nordostens ein Fülle verschiedener Landschaften mit der entsprechend breit gefächerten Tierwelt. Es gibt Millionen US-Jäger und eine große Anzahl jagdlicher Publikationen, aber bei uns haben Jagdberichte aus den USA seltenheitswert. Ich vermute, es hängt mit der tiefen Skepsis der deutschen  (Revier)Jäger mit dem US-Lizenzsystem und der Vorstellung, alles bloss Schiesser, zusammen.

Da mich die Jagd auch in den USA und die Bogenjagd interessiert, bin ich bei Recherchen auf das Buch von Mike Mitten gestossen, das auch bei mir einige Vorstellungen zurecht gerückt hat.

Zunächst noch eine Vorbemerkung. Meine Kenntnis der englischen Sprache ist nicht besonders gut und so war es mir nur möglich, den Hauptlinien des Buches zu folgen, die aber so interessant sind, dass ich diese Besprechung schreibe. Eine bessere Sprachkenntnis vermittelt sicher noch mehr Freude beim lesen.

Mike Mitten ist im Mittelwesten, im nördlichen Illinois aufgewachsen und durch Vater und Großvater von frühester Jugend mit der Natur vertraut. Als er 12 Jahre alt war, kauft sein Vater 30 ha heruntergewirtschafteten Wald im nördlichen Wisconsin, den sein Vater und er langsam wieder aufbauen. Als Schuljunge verdient er sich sein Taschengeld mit Fallenstellen. Durch seinen Vater kommt er zur Bogenjagd und jagt zunächst auf heimisches Kleinwild  und dann auf Weisswedelhirsche. Eine besondere Freude ist ihm das Alleinsein im Wald. Nach und nach dehnt es seine Streifzüge über ganz Illinois und Wisconsin aus. Wie bekannt, beschränkt sich die Lizenzjagd auf einige Wochen im Herbst, wobei die Bogenjagdzeit in der Regel vor der Jagdzeit mit der Büchse liegt. Mitten ist aber bereits im Frühjahr und Sommer in seinen bevorzugten Revieren unterwegs, um starke Hirsche zu bestätigen. Und so überläst er in der eigentlichen Jagdzeit nichts dem Zufall, sondern jagt gezielt.

Dann rücken andere interessante Jagdgebiete der USA in sein Blickfeld. Er jagt Wapitis und Maultierhirsche in den Bergen Colorados, teilweise auf über 3.000 Meter Höhe, Elche und Wapitis in Alaska, Nilgais und Javelinas in Texas, Schwarzbären in Ontario, Wapitis in Montana, u.v.m.

Das Buch beschränkt sich aber nicht auf Jagderzählungen, sondern gibt viele praktische Hinweise.

Z.B. Bogenjagd. Die von ihm benutzten Bögen haben ein Zuggewicht von 34 – 35 kg, ich selbst schaffe 15 kg gut, 20 kg kaum noch und dann ist Schluss. Schussentfernung nicht über 30 Meter. In der Wildnis heisst dies Pirsch bis in nächste Nähe des Wildes. Im heimischen Illinois nutzt er auch transportable „treestands“, zieht aber Pirsch vor. Bei einer 14-tätigen Solojagd verliert er schon mal 10 – 15 Pfund Gewicht. Das Wildbret des Elches oder Wapitis muss ja geborgen werden, man kann sich kaum vorstellen, was dies für einen Solojäger bedeutet.

Bei der Brunftjagd auf Weisswedelhirsche hat er oft Erfolg mit dem Klappern von Abwurfstangen. Er zieht auch schon mal Stangen an einem Seil hinter sich her. Sicher für unsere Vorstellungen sehr ungewöhnlich, aber doch erfolgreich. Dabei muss man sich immer vergegenwärtigen, dass er als Bogenschütze immer ganz nah an das Wild herankommen muss.

Einige Kapitel beschäftigen sich auch mit anderen guten Bogenjägern.

Er gibt  Hinweise, wie er ein interessanten Jagdgebiet findet, wo der Pickup am besten geparkt wird, Tipps für Ausrüstung und Essen usw.

Zusammen mit seinem Bruder und Freunden hat er auch Videofilme über Bogenjagd und Natur gedreht, die über die obige Webseite zu haben sind.
Meine Hoffnung, dass dieses Buch einmal ins Deutsche übersetzt wird und ich es vollständig lesen kann, wird wohl unerfüllt bleiben.

Wer Interesse an einer anderen, aber sehr intensiven, Art der Jagd hat, dem kann ich das Buch sehr empfehlen.
Jürgen Rosemund

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