Exkursion der Regionalgruppen Aargau-Solothurn und Baselland-Baselstadt ins Langholz, Rothrist am vom 10. Juli 2026
Am 10. Juli 2026 trafen sich – bei hochsommerlichen Temperaturen – rund 20 Ordensbrüder und Gäste der Regionalgruppen Aargau-Solothurn (AG-SO) sowie Baselland-Baselstadt (BL-BS) bei der Waldhütte Rothrist für eine Exkursion ins Langholz. Nach einem durch die Regionalgruppe AG-SO im 2024 organisierten gemeinsamen Besuch des Wisent-Projekts im Thal führte der heutige gemeinsame Anlass in das älteste Wald-Wiedervernässungsprojekt des Kantons Aargau. Erfreulicherweise nahmen auch zwei Ordensbrüder der Regionalgruppe Graubünden-Glarus den weiten Weg unter die Räder - und am Anlass teil.
Ordensbruder Fabian Dietiker begrüsste die Anwesenden um 16:30 Uhr und führte ins Thema der Exkursion ins Langholz ein. Rund 85% der Feuchtgebiete in der Schweiz sind durch die Begradigung von Gewässerläufen, die Drainage von landwirtschaftlichen Flächen aber auch durch Entwässerungsmassnahmen im Wald über die Zeit verschwunden. Die noch vorhandenen Feucht- und Nasslebensräume sind gefährdet, das gleiche gilt für die Tier- und Pflanzenarten, die auf solche Lebensräume angewiesen sind. Zudem kommt Lebensräumen, die Wasser zurückhalten können, insbesondere bei heissen und trockenen Bedingungen, wie sie nun schon seit mehreren Wochen in der Schweiz herrschen, eine sehr grosse Bedeutung zu. Während viele Bäche bereits trockengefallen sind, führen die Bäche und Gräben im Langholz auch aktuell noch Wasser. Der Kanton Aargau hat den Handlungsbedarf zur Sicherung von Nass- und Feuchtlebensräumen früh erkannt und mit der Verankerung des Auenschutzparks in der Kantonsverfassung und ersten Wiedervernässungsprojekten schon vor mehreren Jahrzehnten Gegensteuer gegeben. 2024 hat zudem der Grosse Rat einem indirekten Gegenvorschlag des Regierungsrats zur Feuchtgebietsinitiative der Umweltverbände mit 128:0 Stimmen zugestimmt. Bis 2060 sollen in den drei Landschaftsräumen Landwirtschaftsgebiet, Siedlung und Wald insgesamt 1'000 Hektaren neue Feuchtgebiete geschaffen werden. Im Wald werden so Jahr für Jahr 20 ha neue Feucht- und Nasslebensräume geschaffen werden. Dafür braucht es den Goodwill und die Unterstützung der Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer. Die Umsetzung basiert auf Freiwilligkeit, Projekte können über die Mittel des Naturschutzprogramms Wald finanziert werden.
Als Referenten führten anschliessend Kreisförster Erwin Städler sowie Erwin Osterwalder, Teamleiter des Bereichs Jagd der Sektion Jagd und Fischerei des Kantons Aargau, die Ordensbrüder und Gäste durch das Langholz.

An einem ersten Posten – einer unter Wasser stehenden grossen Fläche mit vielen abgestorbenen Weisstannen – erläuterte Erwin Städler die Besonderheiten des Gebiets Langholz. Bereits im 19. Jahrhundert wurden im Langholz Entwässerungsgräben erstellt, um die Produktion von begehrtem Bauholz zu ermöglichen. Mit zunehmendem Alter der Fichten liess deren Stabilität aber zu wünschen übrig; der Sturm Lothar zeigte unbarmherzig die Schwäche der Fichten auf dem feuchten Grund und entwurzelte sie in grosser Zahl. Dies veranlasste 2010 den Kanton als Waldeigentümer, auf einer Fläche von 20 Hektaren das Naturwaldreservat Langholz auszuscheiden.

Gleichzeitig wurde ein Projekt gestartet, das die neue Reservatsfläche etappenweise in den ursprünglich feuchteren Zustand überführen sollte. Dazu wurden an wenigen Stellen 60-80 cm hohe Dämme errichtet, weiter wurden die zahlreichen im Gebiet vorhandenen Gräben partiell mit lehmigem Erdmaterial verschlossen, so dass das anfallende Meteorwasser im Gebiet zurückgehalten werden konnte (siehe Abbildungen 3 und 4).

Die ersten Etappen des Wiedervernässungsprojekts wurden 2014 abgeschlossen. Der Bereich der ersten Umsetzungsetappen zeigt sich heute wieder als lichtdurchfluteter, ausgesprochen feuchter Wald, der einer Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten wertvollen Lebensraum bietet (siehe Abbildung 5).

Nicht nur typische Pflanzen wie die Traubenkirsche, Schwarzerlen und Rohrkolben gedeihen im Langholz. Über 18 Libellenarten wurden nachgewiesen, und Heerscharen von Fröschen und Kröten wandern zum Laichen an die zahlreichen Teiche und Tümpel. "Lediglich die Schnepfe fehlt von den ursprünglich im Gebiet vorkommenden Arten noch", so Erwin Städler. Er hofft aber, dass diese Vogelart das Langholz wieder als Brutplatz nutzen wird. Die übriggebliebenen Fichten sterben im nassen Boden nun langsam ab und bilden wertvolles Totholz. In diesem feuchten Klima findet als weitere Besonderheit die Lungenflechte an den vielen alten Bäumen ideale Wuchsbedingungen. Wegen dem Absterben der Eschen (Eschentriebsterben) mussten diese teilweise umgesiedelt werden.
Nach Abschluss der ersten Umsetzungsetappen wanderte der Biber in das Gebiet Langholz ein und unterstützte seit dann den Projektinitianten Erwin Städler. So konnte in den letzten Jahren eine Projekterweiterung gegen Osten erfolgen, wo der Biber den abfliessenden Bach an mehreren Orten aufgestaut hat. Die erwähnte grosse Wasserfläche wurde durch den Biber initiiert. Im Rahmen eines weiteren Bauprojekts konnte ein Damm mit einem Überlauf erstellt werden, der ebenfalls dazu beiträgt, das Wasser im Gebiet zu halten. Für die Realisierung dieser Massnahmen konnte in Absprache mit der Waldeigentümerin eine Verlegung der Waldstrasse vereinbart und umgesetzt werden. Zudem wurde der Waldeigentümerin die entgangene Nutzungsmöglichkeit des Holzes entschädigt. Insgesamt wurden bis 2026 rund Fr. 500'0000.- in bauliche Massnahmen investiert sowie Entschädigungen an Waldeigentümerinnen und -eigentümer entrichtet.
An einem weiteren Posten hat Erwin Osterwalder, Teamleiter Jagd, über die Wiederbesiedlung des Aargaus durch das Rotwild orientiert. Der Hirsch hat sich zuerst im Gebiet Boowald-Langholz, dem grössten zusammenhängenden Waldkomplex im Aargauer Westen und dann im Bereich des Mutschellen, angrenzend an den Kanton Zürich, eingestellt. Das Langholz mit seinen teilweise nassen und damit weitgehend unzugänglichen Stellen scheint den Lebensraumansprüchen des Hirsches zu genügen. Erwin Osterwalder schätzt den Rotwildbestand im Kanton Aargau zurzeit auf rund 150 Tiere. Als Herausforderungen für das Rotwildmanagement erachtet er insbesondere die sehr hohe Erschliessungsdichte und damit die intensive Nutzung des Langholzes durch Erholungssuchende, das schlechte Äsungsangebot auf den sehr sauren Waldstandorten sowie die vielen umliegenden landwirtschaftlichen Kulturflächen, auf denen sich die Hirsche gütlich tun können. Er wies im Weiteren darauf hin, dass der Massnahmenplan Rotwild, nach welchem sich die Rotwildbejagung im Aargau orientierte, per Ende 2026 abgelöst wird. Zukünftig wird – auf der Basis von Bestandeserhebungen, die durch die Jagdgesellschaften und die Sektion Jagd und Fischerei durchgeführt werden – ein Mindestabschuss verfügt. In den nächsten Jahren wird intensiv zu verfolgen sein, wie sich diese von der kantonalen Jagdkommission gewünschten Änderungen bewähren.
Beim anschliessenden Apéro und der Pflege des goldenen Rings beim gemeinsamen Aser im Restaurant Rössli in Rothrist fand der Anlass einen angeregten Ausklang mit vielen spannenden Gesprächen. Als gemeinsames Fazit kann festgehalten werden – solche Anlässe über die Grenzen der Regionalgruppen hinaus lohnen sich. Immer und immer wieder.
Mit einem ordensbrüderlichen Dank an alle Teilnehmenden
Fabian Dietiker
Regionalobmann
